Endlich konnten wir Pegi aus dem Service abholen. Sie haben wie vereinbart den ersten grossen Service gemacht, Reifen hatten sie aber keine neuen für uns und auch das Update der Motorensteuerungssoftware konnten sie nicht ausführen, welches uns Citroen Schweiz aufgebrummt hat. Wir waren trotzdem sehr aufgeregt, weil wir nun endlich weiterfahren konnten. Unser nächstes Ziel war der Fels von Guatape. Bis dahin waren es aber noch ein paar Fahrttage. Die Fahrt aus Cartagena war eine wilde Angewöhnungsphase an die lokale Fahrweise; Motorräder überholen in Kolumbien rechts und links, Verkehrsschilder scheinen generell eher Empfehlungen zu sein und parken kann man anscheinend wo man will (auch auf der Fahrbahn).
Entlang unserer Strecke übernachteten wir auf zwei schönen Farmen, einem Kiesplatz hinter einer Tankstelle und einem Restaurant vor Medellin. Unsere Fahrt führte uns durch schmale Täler und über kurvige Strassen über hohe Pässe. Das Fahren hier war sehr schön, aber auch massiv anstrengender als noch vor ein paar Monaten auf den geraden Amerikanischen Strassen wo wir gemütlich den Tempomat drin lassen und die Lenk-Arbeiten mit den Zeigefingern erledigen konnten.
Im Restaurant vor Medellin gönnten wir uns natürlich auch ein edles lokales Abendessen. Dani folgte wie immer der Empfehlung des Kellners und erhielt eine pompöse lokale Fleischplatte mit zwei verschiedenen Würsten, einem grossen Streifen geschmortem Schweine-Bauch und einer Art Fleisch-Mehl. Nebenbei hatte es noch etwas Bohnen und ein Proforma-Salat-Häuffchen. Natürlich hat Dani die Hälfte davon mitgenommen und hatte am nächsten Tag eine zweite Mahlzeit.















Am nächsten Tag liessen wir uns von Google-Maps den Weg nach Guatape weisen. Die Ortschaft liegt hinter dem Berg der Medellin säumt. Die Strasse begann schmal durch ein Stadtquartier und wurde immer schmaler und steiler. Wir dachten «ah wir sind sicher gleich durch», aber es wurde immer steiler. Bei jedem Auto das uns entgegen kam hofften wir, dass es uns aus dem Weg ging. Unsere Vorderreifen drehten durch und wir wussten, wenn wir anhalten müssen, müssen wir ein paar Kilometer rückwärts den Berg runterfahren bis zur nächsten Wendemöglichkeit. Irgendwann endete dann die geteerte Strasse und es begann eine Erdstrasse mit einem 10cm-Erdloch nach dem anderen. Wie ein Rallie-Fahrer hielt Dani 20km/h und wir wurden ordentlich durchgeschüttelt. Erleichtert, vor Anspannung zitternd und mit ausgefransten Reifen erreichten wir die schöne zweispurige Autobahn, die uns eigentlich komfortabel hätte nach oben führen sollen. Jetzt haben wir gelernt, dass wir Google hier unten nicht mehr trauen können. [Ein Motorradfahrer hat seine Fahrt über diese Strecke gefilmt, siehe unten.]



Wir haben uns für Gautape ein Zimmer in einem schönen Hotel, direkt neben dem Fels gebucht. Anscheinen haben wir ein gratis Upgrade erhalten, unser Zimmer hatte einen grossen Balkon der direkt auf den See zeigte. Am gleichen See liegt auch Pablo Escobars Finca la Manuela (oder was davon übrig ist). Am zweiten Tag wagten wir den Aufstieg auf den Fels von Guatape. Die 100 Treppenstufen zum Fusse des Felses brachten uns recht ins Schnaufen und danach folgten noch weitere 660 bis auf den Fels. Entsprechend stolz waren wir, als wir oben ankamen, und belohnten uns auch gleich mit einer erfrischend aussehenden lokalen Köstlichkeit – einem Michelada. Das Getränk sieht fruchtig gelb aus, aber die Mischung aus dunklem Bier, Salz, Limettensaft, Tabasco, Sojasauce, Tomaten- und Venusmuschelsaft ist wohl eher etwas für den gewohnten Gaumen.
Weil uns das Hotel so gut gefiel haben wir unseren Aufenthalt nochmals um einen Tag verlängert. Der Weg zum Hotel ist eine Steile Privatstrasse, die es anschliessend hochzufahren galt. Als die Reifen beim hochfahren durchdrehten uns es keinen Meter mehr vorwärts ging, sind schnell wieder Erinnerungen aufgekommen zu unserem letzten Rodeo aus Medellin. Wir sind rückwärts runter gefahren und haben beraten wie wir hoch kommen. Optionen waren, uns schleppen zu lassen, Rückwärts hochfahren in der Hoffnung das damit der Schwerpunkt genug auf die Antriebsachse verlagert wird, aber schlussendlich hatte Natascha die gute Idee, unsere 100L Frischwasser abzulassen. Mit etwas Schwung haben wirs dann aus dem Tal geschafft und sind geradewegs zum Reifenhändler in Medellin gefahren, der uns 4 neue Reifen montiert hat. Nach dem Reifen wechseln hat das Reifen-Licht gebrannt. Erwartungsvoll sind wir Kilometer um Kilometer aus der Stadt gefahren in der Hoffnung, dass es doch noch ausgeht (dass es sich selbst kalibrieren musste). Dem war aber nicht so, darum hat Dani das ODB2-Diagnosegerät angeschlossen um zu sehen, ob sich das zurücksetzen lässt, aber der Bordcomputer hatte keinen entsprechenden Fehler. Wir wir dann rausgefunden haben, haben die Helden beim Reifenwechseln uns statt 5,5Bar nur 2,8Bar gefüllt und uns so losfahren lassen. Unsere Mobile Walmart-Reifenpumpe hat hier leider nicht mehr so gut funktioniert wie noch in den USA und so mussten wir einen neuen Reifenhändler ansteuern um uns die Reifen füllen zu lassen.











Unser nächstes Ziel war das Valle de Cocora, welches berühmt ist für seine hohen Wachspalmen. Hier waren wir ganz alleine auf dem Campingplatz, welcher eine atemberaubende Aussicht auf das Tal bot. Am Nachmittag haben wir unsere Wäsche von Hand gewaschen und genossen am Abend den Sonnenuntergang. Am nächsten Tag wollten wir die beliebte Wanderung durchs Tal machen. Ganz am Anfang der Wanderung sind wir aber wohl falsch abgebogen und der Weg wurde immer wilder und ging steil den Berg hoch (ohne Palmen, dafür mit Dschungel). Leidensgenossen fanden wir mit den Mit-Verirrten Auke und Ann-Christin. Zu diesem Zeitpunkt dachten wir vier noch, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Ab und zu kamen uns Züge von Lasten-Pferde entgegen, was uns den Eindruck vermittelte, dass wir also doch nicht so weit weg sein konnten von der Zivilisation. Als wir nach 6 Kilometern und gemessenen 132 gestiegenen Stockwerken eine Pause einlegten, kam uns eine Gruppe von Extrem-Wanderern entgegen. Sie sagten uns, dass es nur noch weiter hochgeht, nicht runter – war also doch nicht der szenische Rundweg den wir machen wollten. Wir entschieden uns umzukehren, und nach total 12 Kilometern belohnten wir uns dann mit einem gigantischen Glace und Eiskaffee. Unsere neuen Kollegen machten die korrekte Wanderung am nächsten Tag und meldeten, dass diese viel schöner sei als unser erster Versuch – danke 😛



















Wir fuhren aber weiter zum nächsten Ort, weil wir da eine Tour gebucht hatten auf einer Kaffee-Plantage. In der Tour waren wir nur eine Dreiergruppe – und hatten deshalb die fast ungeteilte Aufmerksamkeit des Kaffee-Spezialisten. Er führte uns durch seine Plantage und wusste zu jeder Pflanze etwas zu erzählen. Immer mal wieder zupfte er ein Kraut vom Boden oder eine Kaffee-Bohne vom Busch und gab es uns zur Geschmacksprobe. Dabei fordert er jeweils die erschmeckten Geschmacksnoten von uns und sagt uns anschliessend welche weiteren er noch erkannt hat. Dani merkt dabei, dass seine Zunge wohl etwas taub geworden ist in seinen Red Bull-Jahren 😉 Oder vielleicht erfand der Guide auch einfach noch was dazu. Wir lernten viel über die Ursprünge, Eigenschaften, Vor- und Nachteile von Arabica und Robusta und marschierten anschliessend zurück zum Haupthaus. Der Spezialist erklärte passioniert, was es bei der Bohnen-Auswahl und Röstung zu beachten gibt, um guten Kaffee zu erhalten. Wir testeten den Wassergehalt der rohen Bohne, um die Röst-Eingangstemperatur zu errechnen. Auf seinem Whiteboard rechnet er uns die Röst-Temperatur der drei Röstphasen vor und danach dürfen wir auch gleich selbst eine Ladung Kaffeebohnen rösten! Natürlich unter genauer Anweisung. Den Teil der folgte, wird uns alle leicht zitternd zurücklassen – die Kaffee-Zubereitung und Degustation. Es war auch interessant, die Unterschiede zwischen den verwendeten Zubereitungsarten Drip, V60 und Aeropress zu schmecken. Wir haben natürlich auch eine Ladung des Kaffees gekauft und getrauten uns fast nicht zu sagen, dass wir diesen in unserer Bialetti Moccamaschine machen. Wir Banausen! 😀






Die Nacht durften wir auf dem Parkplatz vor Ort verbringen und fuhren die kommenden Tage zielstrebig Richtung Grenze zu Ecuador. Der Weg führte uns wieder über die Anden – ein wildes hoch und runter über kurvige Bergstrassen. Die Nächte haben wir bei sehr gastfreundlichen Leuten entlang des Weges verbracht und konnten uns dabei an einem Ort im Pool abkühlen und am nächsten Ort erhielten wir sogar ein Überraschungs-Frühstück!









Unsere letzten zwei Nächte in Kolumbien verbrachten wir auf dem Parkplatz des Teleferico. Diese Gondel brachte uns am nächsten Tag im Schritttempo ins Tal zur Kirche Santuario de Las Lajas. Die imposante Wahlfahrtskirche ist für viele Overlander der letzte Haltepunkt in Kolumbien – so auch für uns, einen Tag später wagten wir uns über die Grenze nach Ecuador.








