In den letzten Tagen beim Strand hatten wir Pegi etwas ausgemistet und einige Dinge besser verstaut. Teil der Verschiffungsprozedur war auch eine Drogenkontrolle, wobei uns gesagt wurde, dass wir alles aus unserem Camper ausräumen mussten. Deshalb kamen diverse kleine Gegenstände in unsere grauen Boxen im Kofferraum. Unsere Gasflaschen liessen wir auf dem Campingplatz. Somit wussten wir uns nicht um die Abgabe bzw. Entsorgung kümmern, verloren andererseits aber natürlich etwas Geld (Depot) und konnten in den nächsten Tagen nicht mehr kochen.
Die Strecke nach Veracruz teilten wir uns auf drei Fahrtage auf. Wir wollten die Strecke so schnell wie möglich schaffen, da es auch nicht viele Übernachtungsmöglichkeiten hatte. Die erste Nacht verbrachten wir in einem grossen privaten Garten, direkt neben der Schnellstrasse. Dafür hatte es hier eine Aussenküche und wir konnten doch noch etwas Warmes zu Abend essen und am nächsten Morgen einen Kaffee kochen.




Am späteren Nachmittag des zweiten Fahrtages erreichten wir ein Restaurant, bei welchem man nach Konsumation auf dem Parkplatz übernachten durfte. Dies war uns von Julia und Stefan empfohlen worden. Als Meeresfrüchte-Restaurant war es leider nicht gerade unsere Top-Wahl, aber wie schon gesagt waren die Übernachtungsmöglichkeiten begrenzt. Und der Ausblick war toll!





Am letzten Fahrtag erreichten wir schliesslich Veracruz und suchten uns eine Autowäscherei. Bei der ersten hatten wir kein Glück. Da Sonntag war, schloss sie bald und nahm keine Autos mehr entgegen. Bei der zweiten hatten wir Glück. In Mexiko ist es so, dass dir dein Auto gewaschen wird. Wir sassen also im Wartebereich und sahen zu, wie ein Typ in Gummistiefeln mit Wasserkübel und Lappen unseren Pegi wieder zum Glänzen brachte.
Anschliessend fuhren wir Richtung Hafen, wo wir einen Seitenparkplatz als Übernachtungsplätzchen angepeilt hatten. Von hier aus brauchten wir am nächsten Morgen nur noch 5 Minuten bis zu unserem Treffpunkt mit dem Agenten.
Als Abendessen gab es das, was unser Kühlschrank noch hergab und auch das letzte Bier musste noch getrunken werden (Dani hat sich freiwillig gemeldet dafür). Dann packten wir unsere Reisetaschen, sammelten allen Müll zusammen und räumten noch die letzten Sachen auf. Plötzlich begann Dani zu fluchen und kippte das Fenster auf. Da hatte doch tatsächlich ein kleiner Junge an unseren frischgewaschenen Pegi gepinkelt!
Obwohl im Hafenquartier viel los war, wurde es in der Nacht sehr ruhig, so dass wir gut schlafen konnten. Am nächsten Morgen entsorgten wir noch unser Grau- und Frischwasser und machten uns dann auf den Weg zum Agenten. Hier konnten wir den letzten Parkplatz in der Strasse ergattern. Zum Glück sprach unser Agent Pepe sehr gut Englisch und wir sahen gemeinsam die Dokumente durch, welche wir ihm im Vorfeld bereits gemailt hatten. Dann schickte er uns weg – wir sollten in ungefähr einer Stunde wiederkommen. Bis dahin kämen noch zwei andere Reisepaare und wir konnten dann gesammelt zum Banjercito gehen. Wir gingen also einen Kaffee trinken und etwas kleines Essen.
Zurück bei Pepe wurden wir von einer Mitarbeiterin quer durch Veracruz zum Banjercito gefahren, um unseren Camper auszulösen und das Depot zurückzubekommen. Hier hiess es warten. Es ging unglaublich lange, bis wir an der Reihe waren und anschliessend noch die zwei anderen Paare. Als wir das geschafft hatten und zurück bei Pepe waren, waren über zwei Stunden vergangen. Wir hofften natürlich, dass nun alles erledigt war, aber leider wurden wir enttäuscht. Anscheinend wartete er auf irgendwelche Formulare und meinte, wir sollen doch in einer halben Stunde wiederkommen. Wir gingen also nochmals was trinken. Pünktlich nach einer halben Stunde sassen wir wieder auf dem Sofa im Wartebereich und nach nochmals dreissig Minuten kam er endlich mit den ominösen Formularen, welche Dani unterzeichnen musste. Dann ging es los! Ein Mitarbeiter fuhr mit seinem Auto voraus, dann folgte ein französisches Pärchen mit ihrem Camper und dann wir. Es war eine kleine Herausforderung, die Vorausfahrenden im dichten Verkehr nicht zu verlieren. Aber schliesslich schafften wir es auf einen grossen Platz, wo Hafenmitarbeiter auf uns warteten und die beiden Camper entgegennahmen. Wir winkten Pegi nach – es war erledigt! Die ganze Prozedur hatte ungefähr 7,5 Stunden gedauert und wir waren dementsprechend erledigt. Der nette Mitarbeiter fuhr uns zu unserem Airbnb, welches für die nächste Woche unser Zuhause sein würde. Für das Abendessen entschieden wir uns für ein nahes Restaurant im Harry Potter-Stil. Hier probierten wir ein Butterbier, assen Burger mit lustigen Namen und zum Nachtisch noch ein Frappé, von dem man beim blossen Ansehen schon Diabetes bekam.
Müde und zufrieden (oder «Fat and happy» wie Dani’s alter Chef Thomas sagtes) liessen wir uns ins Bett fallen und merkten schnell, dass die Fenster hier nicht wirklich was taugten. Wir konnten jedes Wort von der Strasse hören. Dementsprechend schlecht schliefen wir.







Pepe hatte uns versprochen, Bescheid zu geben, sobald der Termin der Drogenkontrolle bekannt war. Da wir bis Mittwochmorgen (zweiter Tag nach Abgabe) noch nichts gehört hatten, fragte Dani nach und bekam prompt die Antwort: heute um 16:00 Uhr. Entweder sind die Mexikaner unglaublich spontan oder er hatte uns vergessen zu informieren.
Wir standen also pünktlich um 16:00 Uhr wieder bei der Agentur, zusammen mit dem französischen Pärchen, und erfuhren, dass nur Dani als Fahrzeughalter auf das Hafengelände durfte. Während Natascha überlegte ob sie in ein nahes Kaffee oder zurück zum Airbnb sollte, bekam Dani ein Dokument in die Hand gedrückt, worauf seine Anmeldedaten für das Hafengelände drauf waren. Schnell erkannten wir, dass die Fotos vertauscht worden waren und auf Danis Formular ein Passfoto vom Franzosen drauf war und umgekehrt. Der Mitarbeiter meinte natürlich, dass sollte kein Problem sein. War es dann aber doch. Der Zutritt wurde ihnen verweigert und nach 10 Minuten tauchte Pepe auf, um zu verhandeln. Irgendwie schafft er es dann doch, dass die Männer zu ihren Campern konnten. Die Kontrolle war schon im Gange und Dani musste nur noch einige wenige Gegenstände aus dem Kofferraum rausholen. Alles in der Wohnkabine konnte drin gelassen werden. Eine Hafenmitarbeiterin kontrollierte alles drinnen, während ein Drogenspürhund motiviert den Kofferraum und die Kisten beschnüffelte. Wie erwartet waren Mensch und Tier zufrieden.
Natascha hatte sich in der Zwischenzeit entschieden, zurück zum Airbnb zu gehen. Google Maps zeigte dafür 40 Minuten an und so wurde der Weg zu Fuss angetreten. Allerdings war sie noch keine 10 Minuten unterwegs, als direkt vor ihr ein Fahrradfahrer von einem Auto angefahren wurde und dieses Fahrerflucht beging. Aufgeschreckt von dem Knall, kamen Leute aus den umliegenden Geschäften gerannt und kümmerten sich sofort um den blutenden Fahrradfahrer, der zum Glück ansprechbar war. Ein anderer Typ sprang in sein Auto und nahm die Verfolgung vom Unglückswagen auf.
Während dem restlichen Nachhauseweg vergewisserte sich Natascha dreifach, ob die Strassen gefahrlos passierbar waren. Als sich Dani zwei Stunden später auch zu Fuss auf den Weg machte, standen an der unsäglichen Ecke immer noch Polizeiautos.

den nächsten Tagen mussten wir lernen, dass Veracruz nicht viele tolle Restaurants hatte. Wir frühstückten deshalb auch mal im Airbnb und bestellten uns Pizza oder Sushi für das Abendessen. Um etwas in Weihnachtsstimmung zu kommen, schliesslich war bereits der 22. Dezember, gingen wir in den kleinen Stadtpark und bewunderten dort die Weihnachtsbeleuchtung. Auf dem Nachhauseweg landeten wir plötzlich in einer Strasse, durch die eine kleine Parade zog.
























Am späteren Nachmittag des 24. Dezember ging unser Flug. Wir sind keine Weihnachtshasser, die Flugpreise waren an diesem Tag einfach viel günstiger. Leider hatten wir keinen Direktflug nach Bogota und so verbrachten wir Heiligabend am Flughafen von Mexiko-Stadt. Die Stimmung da war allerdings sehr friedlich. Es hatte wenig Leute und die Hälfte davon lief in Weihnachtspullis herum.
Der Anschlussflug nach Bogota startete dann um 1:00 Uhr in der Nacht.


